Die Geschichte der Kryptologie ist so alt wie der Wunsch, eine Botschaft vor seinen Feinden geheim zu halten. Eines der frühesten überlieferten Beispiele ist bei Herodot nachzulesen: Vor ungefähr 2500 Jahren waren die ionischen Griechen in Kleinasien in einen Aufstand gegen die Perser verwickelt, als Histiaios, der Tyrann von Milet, eine wichtige Botschaft an seinen Schwiegersohn Aristagoras senden mu\3te. Um sie vor den Persern zu verbergen, lie\3 er den Kopf seines Sklaven Spiridon kahlscheren und schrieb den geheimen Text auf dessen Kopfhaut auf. Als die Haare etwas nachgewachsen waren, schickte er ihn los - Zeit spielte in diesem Fall wohl eine untergeordnete Rolle.
In jüngerer Zeit nahm die Bedeutung der Kryptologie stetig zu. So wurde der Verlauf des 2. Weltkrieges durch die Leistungen der Kryptologen ma\3geblich beeinflu\3t. Die deutsche Führung verwendete zur Übermittlung ihrer Befehle an die Einheiten die berühmte Enigma, eine von Arthur Scherbius 1923 erfundene Chiffriermaschine, die sie für absolut sicher hielten. Unter Mitwirkung von Alan Turing, einem der Mitbegründer der Informatik, gelang es britischen Kryptanalytikern jedoch, das Chiffriersystem der Enigma zu brechen. Diese kryptologische Leistung blieb von den Deutschen bis Kriegsende unbemerkt und brachte der alliierten Flotte einen entscheidenden Vorteil im Kampf gegen die deutschen U-Boote.
Das amerikanische Militär verwendete in beiden Weltkriegen eine erstaunlich einfache aber wirkungsvolle Methode der Verschlüsselung von Nachrichten: Als Funker wurden Indianer eingesetzt, die sich ihrer Muttersprache bedienten. Vor allem die Navahos schienen dafür geradezu prädestiniert: Es gab über 50000 von ihnen aber nur 28 Nicht-Navahos waren bekannt, die ihre Sprache verstanden. Navaho gilt als extrem schwer erlernbar und ihre Phonetik ist für fremde Zungen fast nicht nachzuahmen. Ende des 2. Weltkrieges arbeiteten 420 Navahos in der amerikanischen Marine als Codierer.
Im kalten Krieg gaben sich die Supermächte in kryptologischer Hinsicht kaum eine Blö\3e. Die sowietischen Agenten verwendeten meist die Methode des One-Time-Pads. Diese Methode ist absolut sicher aber auch sehr unhandlich: Die geheimen Schlüssel sind genauso lang wie die Nachricht selbst. Die westlichen Geheimdienste konnten nur versuchen, Listen mit diesen Schlüsseln bei enttarnten Sowietagenten sicherzustellen.
In den 70er Jahren begannen Wissenschaftler die Analyse kryptographischer Sicherheit auf der strengen Grundlage der Mathematik aufzubauen. Dies führte zur Entdeckung überraschender neuer kryptographischer Verfahren. Mit diesen lassen sich viele über das blo\3e Verschlüsseln von Daten hinausgehende Probleme lösen, wie z. B. Public-Key Kryptographie, digitale Unterschriften oder electronic Chash-in Kürze das Zahlungsmittel im Internet-lösen. Viele dieser Verfahren konnten trotz intensiver Bemühungen der Kryptanalytiker bis heute nicht gebrochen werden. Durch billige und leistungsfähige Computer ist die Verschlüsselung von Daten daher in der heutigen Zeit für jedermann möglich geworden. Die Geheimdienste und Polizeiorgane befürchten eine ihrer wirksamsten Waffen im Kampf gegen die organisierte Kriminalität und den Terrorismus zu verlieren: den Lauschangriff. Deshalb beschränken in vielen Ländern Gesetze den Gebrauch von Kryptographie. So wird z. B. in den USA kryptographische Software als Munition eingestuft und unterliegt somit starken Exportbeschränkungen. In Frankreich ist Verschlüsselung nur unter der Bedingung zulässig, da\3 Behörden die Nachrichten bei Bedarf wieder entschlüsseln können. Ähnliche Gesetze werden auch in anderen Ländern erwogen. Datenschützer warnen vor dieser Entwicklung und fordern freien Gebrauch von Kryptographie zur Wahrung der Privatsphäre. In Deutschland gibt es dazu bis jetzt noch keine gesetzliche Regelung, doch schon ist eine leidenschaftlich geführte Diskussion entbrannt.